Tag 10 halte an den Zielen fest

Ihr lieben Menschen,

Die Kilometer Anzahl von gestern sorgte dafür, dass ich heute Morgen ziemlich erschöpft war. Am liebsten wäre ich liegen geblieben und hätte einfach ein bisschen vor mich hin geschlafen. Wir hatten aber eine weitere große Etappe vor uns. Mein Hintern tat schon heute Morgen ziemlich weh und auch Hilmar hatte seine Probleme. Das Tandem hat leider sehr harte Sättel, die uns einiges und unserer Schmerzgrenze abverlangen. Vom gestrigen Abend hatten wir noch ein bisschen Pizza übrig, die wir kurzerhand frühstückten. Wir wussten noch nicht genau, wo wir frühstücken würden und so hatten wir zumindest schon mal eine Grundlage. Der eigentlich bedeckte Himmel war mal wieder ein strahlend blauer Himmel und die Sonne wärmte die Gegend sehr schnell auf. Wie ihr wisst, haben die Sonne und ich so unsere Probleme miteinander und entsprechend wurde meine Erschöpfung verstärkt. Vor uns lagen über 70 km, und nach den ersten Kilometern hatte ich das Gefühl, dass es heute schwierig werden würde, nach Nebra zu kommen. Wir hatten uns vorgenommen, dass wir als erstes großes Ziel Merseburg ansteuerten. Dort hätten wir eigentlich übernachtet, aber durch das Kilometer Defizit fuhren wir nur durch. Zwischen Leipzig und Merseburg gab es wahnsinnig viel Bärlauch. Der Blüte, teilweise sogar noch und die ganze Luft war erfüllt von Bärlauchduft. Für mich war das eine willkommene Abwechslung, da ich den raps echt nicht mehr riechen kann. Eigentlich mag ich es, wenn der Raps blüht, aber den ganzen Tag damit konfrontiert zu sein, hatte schon einige Spuren hinterlassen. Auch andere Pflanzen Düfte bahnten sich ihren Weg in unsere Nasen und auch die Wege Richtung Merseburg waren recht entspannt und teilweise durch den Wald. Wir machten auch eine Pause im Wald auf einem Baumstamm und genossen Obst und ein paar Riegel. Wieder einmal trafen wir nicht so viele Menschen, aber umso später. Es wurde, immer mehr Radfahrer. Merseburg ist eine wirklich schöne Stadt und zu empfehlen. Wir fuhren kurzerhand zum Schloss beziehungsweise am Schloss vorbei und konnten den Schlossgarten bestaunen. Kurz überlegten wir, ob wir hier eine Pause machen sollten, entschieden uns aber um, da hier gerade eine große Bühne aufgebaut wurde und Musik Check Up durchgeführt wurden. Das war für mich einfach von den reizen viel zu viel und ich wollte einfach nur meine Ruhe. Zudem hatte ich die letzten Kilometer vor Merseburg in meinem Kopf einen riesigen Kampf gehabt. Immer wieder hatte ich überlegt, ob es sinnvoll sei, die Tour an dieser Stelle für heute sein zu lassen und in Merseburg zu bleiben. Ich war einfach richtig ausgelaugt. Wir gingen in ein Grillhaus und aßen dort jeder ein Schnitzel und Pommes. Irgendwie half das schon, und wir rechneten durch, ob wir es noch gut schaffen konnten. Es war mittags, also war genug Zeit. Nach der Stärkung machten wir uns so langsam auf dem Weg Richtung Nebra. Es sollten ungefähr 35 km bis dorthin sein. Leider war mir ein bisschen übel zwischendurch, war sicherlich auch mit der starken Sonne zusammen hing, die erbarmungslos sich ihren Weg suchte. Brav, wie ich nun einmal bin, habe ich einen Helm getragen. Dieser schnürte mir auch noch den Kopf zu beziehungsweise verursachte Kopfschmerzen. Es ist nun mal, wie es ist und wir haben Ziele vor Augen, also nahmen wir uns vor, ganz ohne Druck Richtung Nebra zu fahren. Gesagt, getan. Stück für Stück kamen wir nebra näher. Es waren doch einige Höhenmeter, die wir überwinden mussten. Die meisten haben wir fahrend geschafft. Wir trafen auch hier vor allem Fahrradfahrer und viele Autos, aber kaum Fußgänger. In den Ortschaften größten vor allem die Kinder uns ganz viel, was super süß und niedlich war. In einer Hütte machten wir noch mal Pause und versuchten, vor allem unsere Knie und unseren Hintern zu entlasten. Leider hatten sich bei mir Knieprobleme beziehungsweise Knieschmerzen eingestellt, da ich zwar auf dem Tandem fahren kann, aber es auf meine Größe nicht 100 % eingestellt ist, beziehungsweise dass auch schwierig ist, da Hilmar nicht viel größer ist als ich. Also nahm ich es, wie es nun normal ist, was aber zufolge hatte, dass ich meine Knie kaum richtig durch strecken konnte. Wir kamen vor allem in der letzten Stunde sehr, sehr gut voran, und als wir in Nebra ankamen, begegnete uns Kopfsteinpflaster. Da wir beide absolut keine Lust mehr darauf hatten, durchgeschüttelt zu werden, schoben wir ganz entspannt, wie bei einem wunderschönen Sonntags Nachmittags Spaziergang, das Tandem durch Nebra. Dabei wurden wir von einem älteren Mann angesprochen: das ist ja richtig wie sie das machen. Heute ist Muttertag und die Frau schiebt das Fahrrad und der Mann läuft nebenher. Womit er recht hatte, dass ich das Fahrrad schob und Hilmar sich bei mir eingehakt hatte. Ich wollte einfach was zu tun haben und nicht blöd nebenher laufen, also hatten wir uns geeinigt, dass ich schieben durfte. Es war auf jeden Fall recht unterhaltsam mit dem älteren Herrn aus seinem Garten. Gegen 17:30 Uhr kamen wir bei unserer Unterkunft Schlosshotel Nebra an. Hier haben wir heute Abend auch gegessen und es uns gut gehen lassen. Laura ist heute Abend zu uns dazu gestoßen und wird auch morgen Abend da sein. Da sie leider verletzt ist, kann sie nicht mit wandern, aber sie möchte uns gern Gesellschaft leisten. Darüber freue ich mich sehr. Nun liege ich im Bett und bin ziemlich k.o. Es sind heute 73,2 km geworden. Unser Plan ist, dass wir morgen wieder in die Wanderschuhe steigen und ihr dürft uns die Daumen drücken, dass es funktioniert. Erst einmal ganz liebe Grüße an euch alle aus Nebra

Eure Anni