Ihr lieben Menschen,
Wie ihr wahrscheinlich schon festgestellt habt, habe ich gestern Abend nicht mehr einen Beitrag verfasst. Das liegt daran, dass es gestern richtig heftig für mich war und ich keine Energie mehr hatte, um mich bei euch zu melden. Der gestrige Tag sollte schon knackige 35 km bereithalten, die Realität waren am Ende über 39 km. Wir genossen ein fantastisches Frühstück in unserer Herberge. Es ist wirklich ein ganz ganz tolles Bildungszentrum und nur zu empfehlen. Beate hat uns ein richtig schönes Frühstück gezaubert und uns sofort angeboten, dass wir uns auch ein Brötchen mitnehmen konnten. Das haben wir auch gemacht und wie wir später feststellen, war das die beste Entscheidung. Eine andere Gruppe war ebenfalls in der Unterkunft und diese war so nett gewesen und hatte gesagt, dass es kein Problem sei, wenn wir auch kommen würden. Die Unterkunft ist häufig für einzelne Gruppen ausgebucht und da wir nur zu zweit waren, hat es gut gepasst. Die andere Gruppe ist eine religiöse Gruppe aus Bautzen und einer der Leitung.Kräfte kam auch noch zu uns in den Frühstückssaal und wir lernten einander kennen. Es war ein sehr angenehmes und unkompliziertes Gespräch und wir tauschen uns ein wenig aus. Es ist schön, wenn Menschen mit so viel Interesse einander begegnen. Während wir unsere Sachen packen, konnten wir den Frühstücksgesänge der Gruppe aus Bautzen lauschen und unter tschüss rufen gingen wir auch los. Ich  Wir hatten uns vorgenommen, zeitig zu starten, da wir wussten, dass es ein langer Tag werden würde. Meinen Füßen ging es eigentlich recht gut und so ging es Schritt für Schritt voran. Auch bei Elke war es soweit in Ordnung, man merkt trotzdem, dass man eben am Vortag über 30 km gegangen war. Die Sonne gab wieder alles und auch die waldigen und Felderabschnitte halten nicht dabei, dass wir uns nicht ein bisschen verbrannten. Auch an dieser Stelle sei wieder gesagt, dass wir fleißig Sonnencreme benutzen. Zudem schütze ich mich selber durch lange Kleidung und eine Käppi und ich gehe davon aus, je nachdem, wie das Wetter die nächsten Tage ist, dass ich das erst einmal nicht ändern kann. Auch gestern ist wieder jede Menge passiert, aber da ich so wahnsinnig kaputt gestern Abend war, ist es schwierig für mich in eine richtige Reihenfolge zu bringen. Trotzdem möchte ich euch an ein paar Highlights teilhaben lassen. Die Landschaft ist hier in Sachsen total schön. Man unterschätzt es, wie ich persönlich finde, doch sehr. Man hat wirklich Kilometer weite Natur, die nahezu unberührt ist und auf schmalen Faden wunderschöne Wälder bereithält. Hier sind viele Tiere und im Vergleich wenig Menschen. In den Dörfern begegnen einem zwar Menschen, aber diese sind nicht aufdringlich. Die meisten gucken zwar schon interessiert, da es doch eher untypisch ist, dass Wanderer mit Rucksäcken unterwegs sind, aber man wird, wenn man es selber möchte, in Ruhe gelassen. Gestern haben wir uns die ein oder andere Bank in einem Dorf gesucht und wurden auch beobachtet. Aus Spaß habe ich gesagt, dass ich den Mann, der uns beobachtete, doch auch um einen Kaffee fragen könnte. Haben wir natürlich aus Höflichkeit nicht gemacht, aber Interesse gehabt hätte ich schon. Wir waren unter anderem auch in einem Dorf, wo ein Festzelt aufgebaut war. Das sorgte bei unserer Navigation für ein bisschen Irritation. Also sprach uns kurzerhand eine Frau an, weil sie den Eindruck hatte, dass wir Hilfe brauchen könnten. Vielleicht war es auch einfach pure Neugier, das wissen wir nicht. Auf jeden Fall kamen wir ins Gespräch und fragten, ob es ein Dorffest in diesem Dorf geben würde, weil dieses Festzelt dort stand. Die Frau erzählte stolz, dass es 100 Jahre Feuerwehr in diesem Dorf sei. Wir waren ziemlich interessiert und erwiderten, dass das ja ziemlich cool ist und das sicherlich das ganze Dorf mit feiert. Da antwortete sie kurzerhand und sehr direkt, dass es geschlossene Gesellschaft sei. Für Elke und auch für mich war das eher komisch, da es in unseren Regionen eher untypisch ist. Wenn solche Feste stattfinden, ist es oft öffentlich zugänglich oder wird auf dem Privatgrundstück ausgerichtet. Hier war es quasi auf dem Dorfplatz. Wir wussten auf jeden Fall, dass wir nicht willkommen sein würden. Im gleichen Satz erwähnte die Dame auch, dass in einem Ort weiter Störchen Nester sind, falls uns das interessiert. Wir hatten es verstanden und zogen weiter. Etwas, was uns auch aufgefallen ist, dass es hier viele Rückhaltebecken gibt, um die Acker vor Überflutung zu schützen. Diese Becken sind aber größtenteils leer. Es war schon ziemlich krass zu sehen, dass anscheinend das Grundwasser sehr niedrig war beziehungsweise ist. Trotzdem muss man sagen blüht der Raps und überall ist Flieder zu sehen in verschiedensten Farben. Die ganzen Düfte, die man in der Natur hier wahrnimmt, sind super intensiv und wenig durch irgendwelche Abgase verpestet. Den Unterschied konnten wir wahrnehmen, da wir heute nach Kamenz in die Stadt gekommen sind. (das kommt dann in einem anderen Beitrag). Ein weiteres Highlight war die Suche nach dem Wasser. Wie schon geschrieben, war es ziemlich heiß und wir tranken fleißig Wasser, um nicht zu dehydrieren. Das Problem war aber, dass das Wasser schnell knapp wurde und da viel Natur wenig Zivilisation bereithält, mussten wir die Zivilisation, die wir sahen, nutzen. Durch Werbung angelockt, gingen wir in ein Dorf, wo es einen Bäcker geben sollte. Wir träumten schon von Kaffee und Kuchen oder ein Eis und natürlich Wasser auf zu füllen, wurden aber bitter enttäuscht. Der Bäcker hatte geschlossen. Auf dem Rückweg aus dem Dorf beschlossen wir dann am Zaun eines Familienhauses nach Wasser zu fragen. Die Familie war sehr freundlich und bot uns sogar Mineralwasser oder Apfelschorle an. Wir lehnten ab, Namen aber Leitungswasser und waren sehr dankbar dafür. Nach einem kleinen Gespräch machten wir uns dann weiter auf den Weg und zum Glück wieder mit aufgefüllten Flaschen. Was schön zu beobachten war, dass zwar Neugier vorhanden war, aber man uns nicht misstrauisch begegnete, so dass man uns die Flaschen ohne weitere Rückfragen auffüllt. Ich finde so etwas total schön, da es jedem passieren kann, dass er Durst hat oder zur Toilette muss oder sonst was. Auch wenn die Person wahrscheinlich das hier nicht lesen wird, vielen Dank dafür. Ein weiteres Highlight war wieder eine Werbung, wo dieses Mal ein Eiscafe angeschlagen war. Wieder waren wir der Meinung, dieses Mal muss es doch klappen. Also nahmen wir den Weg durch das Dorf. Es war auch kein größerer Umweg, deshalb konnte man es ja zumindest probieren. Dieses Mal hatten wir Glück und konnten endlich uns ein bisschen Stärkung organisieren. Es gab für uns beide einen Erdbeertraum (Erdbeereis, Vanilleeis, Sahne und jede Menge Erdbeerstücke und Schokostreusel) und eine eiskalte Apfelschorle. Ich sage euch, das war ein Segen. Wir konnten auf ein normales Klo gehen und uns auf den Weg weiter Richtung unserer Herberge machen. Am gestrigen Abend sind wir gegen 21:00 Uhr in der Herberge angekommen. Unsere Gastgeber mussten wir dann anrufen, weil die Rezeption nicht mehr besetzt war. Das klappte aber ohne Probleme und uns wurde unsere Unterkunft verraten, so dass wir in einem kleinen Bungalow unsere Nacht verbringen konnten. Da es über 39 km waren und auch die Wege teilweise sehr schwierig, hatten sich mittlerweile durch die Belastungblasen gebildet. Sowohl bei Elke als auch bei mir waren es recht beeindruckende Kunstwerke. Da ich an dem Tag davor keine Lust gehabt hatte, meine Klamotten zu waschen, war klar, dass ich das nachholen musste. Ich habe es bitter bereut. Ich habe mir vorgenommen, dass ich einfach bei meiner jeden Tag Theorie bleibe, dann sind es nicht ganz so viele Klamotten. Entsprechend war ich auch nachlässig beim auswringen, so dass ich heute Morgen eine ordentliche Ladung an Klamotten an meinen Rucksack hängen musste. Aber ehrlich gesagt, ich war so fertig, dass es mir egal war. Heute Morgen habe ich mich darüber ein bisschen geärgert. Gestern Abend aßen wir nichts mehr beziehungsweise wir machten jeder uns ein oder zwei Brote, nahmen noch ein paar Gummibärchen zu uns und versuchten dann in den Schlaf zu finden. Es war ein sehr anstrengender Tag und ich hätte mir gewünscht, dass wir weniger Kilometer hätten machen müssen. Die Strecken von Komoot sind eben nicht 100 % genau und manchmal muss man Umwege gehen, weil es Wege nicht gibt. Ein Beispiel dafür war ein Bach, den wir angeblich überqueren sollten, aber da war leider keine Überquerung Möglichkeit und rüber springen war auch keine Option, da der Bach zu breit war. Also mussten wir einen Umweg laufen. Wenn man das mal machen muss, ist das kein Problem. Wenn es aber immer wieder passiert, rechnet sich das Ganze. Nach der zweiten Etappe liegen wir nun bei 74,7 km insgesamt. Liebe Grüße an euch alle,
Eure Anni