Tag 25 Eine handvoll ist es noch

Ihr lieben Menschen,

Heute klingelte der Wecker um 7:20 Uhr. Frank, Solveig und ich wollten gegen 8:00 Uhr frühstücken gehen. Als wir unten ankamen, war zwar eingedeckt, aber weit und breit niemand zu sehen. Wir fühlten uns ein bisschen wie bestellt und nicht abgeholt und überlegten hin und her, ob man sich einfach hinsetzen könnte. Auch der Blick um die Ecke half nicht, da war einfach keiner. Wir entschieden uns dann nach circa 10 Minuten herumstehen, dass wir jetzt einfach anfangen könnten. Irgendwann kam dann doch noch jemand um die Ecke und entschuldigte sich bei uns, da aktuell Personalmangel dazu geführt hatte, dass sie nur alleine da war. Sie stellte sich als eine sehr nette 79-jährige Aushilfe heraus, die schon länger in dem Hotel beschäftigt ist. Nach einem ausgewogenen Frühstück ging es dann für Solveig und mich auf die 25. Etappe. Frank nahm die öffentlichen Verkehrsmittel und baute einen Ruhetag ein. Das Wetter versprach, heiß zu werden, was ich direkt am Anfang feststellte. Langärmlich herumzulaufen war einfach nicht möglich. Die Waldabschnitte halfen dabei die steigenden Temperaturen einigermaßen ertragen zu können. Die Straßenabschnitte hingegen waren ziemlich erdrückend. Wir kamen aber in Großen und Ganzen sehr gut voran und trafen unterwegs. Viele Fahrradfahrer. Die Menschen hier wirken auf mich sehr freundlich und aufgeschlossen und so grüßen wir einander und wünschten uns teilweise sogar schöne Pfingsten oder einen schönen Tag. Gegen Mittag machten wir in einer Bushaltestelle unsere Pause. Leider war es einer dieser Bushaltestellen, die als Glaskasten gebaut wurden. So hatten wir eigentlich gar nicht richtig Schatten, aber da wir so langsam Hunger hatten und uns die Energie ausging, war das die einzige Möglichkeit. Zum Glück fanden wir später noch ein Hotel, wo wir zur Toilette gehen konnten und unser Wasser auffüllen, welches wir bereits fleißig getrunken hatten, da die Temperaturen immer weiter stiegen. Die Temperaturen stiegen heute auf circa 30°. Eine Sache, die uns unterwegs noch passiert ist, dass wir über eine Brücke wollten, die aber leider aufgrund von Einbruchsgefährdung gesperrt war, nicht betreten werden konnte. Gegenüber gab es zwei Männer, die uns versuchten zu helfen. Auf der einen Seite wollten sie uns keinen konkreten Tipp geben, auf der anderen Seite schlugen Sie vor, man könnte ja versuchen, an dem Geländer entlang zu hangeln, das sei relativ sicher. Der eine erwähnte hierbei auch noch, dass er selbst einen Sturz in die Tiefe (wir schätzen es auf ungefähr 6 m) selbst bereits überlebt hatte. Sie boten uns auch an, dass sie unsere Rucksäcke rüber schmeißen könnten, dann könnten wir ohne Gepäck die Brücke überqueren. So verlockend dieses Angebot auch klang, wir lehnten ab. Sie waren jedoch sympathisch, und nachdem sie uns erst Wasser und später Weizen angeboten hatten, verabschiedeten wir uns auf eine sympathische Art und Weise. Wir haben natürlich kein Weizen angenommen. Also mussten wir die Umleitung nehmen und 2 km oder vielleicht waren es auch 3 km extra in Kauf nehmen. Hierbei passierten wir den Teufelsweg, der sich durchaus als teuflisch herausstellte, da wir auch hier eine Brücke überqueren mussten. Diese war begehbar, jedoch fehlt das ein oder andere Element, so dass auch das ein bisschen abenteuerlich war. Wir mussten dann noch ungefähr zwei Pausen machen, da die Hitze ziemlich anstrengend war und ich, wie ich im Nachhinein feststellte, doch ziemlich unterzuckert war. Frank lief uns die letzten eineinhalb Kilometer entgegen und so kamen wir zu dritt ins Hotel. Wir sind heute gegen 20:00 Uhr angekommen und haben uns ganz faul essen ins Hotel bestellt. Es gab Pizza. Meine Füße tun schon ganz schön weh, die Hornhaut bildet sich leider nur sehr langsam und durch die 36,7 km. Heute gab es einfach auch viel Belastung. Wir haben heute gegen Ende der Tour den Dom von Köln aus der Ferne gesehen. Das hat in mir ein sehr großes Gefühl ausgelöst. Köln war für mich der Ort, an dem ich selbst schon öfter gewesen bin und der für mich und meine Tour bedeutet, dass ich nicht mehr weit vom Ende entfernt bin. Ich glaube, das wird morgen doch recht emotional für mich werden. Morgen laufen wir nämlich durch Köln. Mein neuer Kilometerstand lautet nun 774,3 km. Ich wünsche euch allen einen guten Start in den Dienstag.

Eure Anni