Tag 3 kämpfen gehört einfach dazu 

Ihr lieben Menschen,

Heute kommt mein Beitrag viel früher als der davor. Wir sind heute Morgen nach einem Frühstück in unserer Herberge gestartet. Von gestern auf heute hatte ich Aufgefiebert. Schüttelfrost und Hitzewellen wechselten sich ab, so dass ich zwar geschlafen habe, aber immer wieder wach wurde und wahnsinnig Durst hatte. Der Körper hatte jede Menge zu tun, und ich wusste, dass der Tag sehr anstrengend werden würde. Zudem brannten meine Füße, und ich war absolut nicht in der Lage zum Frühstück in meinen Wanderschuhen zu gehen, sondern wählte die Turnschuhe. Wir machten uns gegen 9:00 Uhr auf den Weg. Ungefähr 20 km lagen vor uns. Eigentlich hätten wir über Komoot circa 23 km gehabt, entschieden, uns aber über Google Maps zu laufen, da wir Wege haben wollten, die uns nicht sonst wie viel ab verlangen würden. Also wurde unsere Route durch die Dörfer geplant und wir liefen viel Asphalt und Strecken, die für die Füße nicht immer wieder verschiedene Untergründe bereit hielten. Heute begegneten wir wesentlich mehr Menschen und vor allem Fahrradfahrern. Die Autofahrer sind hier irgendwie recht schlecht gelaunt, sicherlich nicht alle, aber wir haben häufig Autofahrer gehabt, die absolut gar kein Verständnis für uns hatten und erst im letzten Moment rüber gezogen sind, oder noch mal Gas gegeben haben. Zum Glück ist ja nichts passiert. Uns ist immer wieder aufgefallen, dass verschiedenfarbige Flaggen in den Dörfern wehen und auch die Maibäume schmücken. Zudem stehen auf den Dörferschildern, die Dorfnamen sowohl auf Deutsch und wir hatten polnisch vermutet. Es ist aber Sorbisch, wie wir herausgefunden haben.

Sorben leben in der Lausitz rund um Bautzen seit dem 6. Jahrhundert.
Sie sind ein westslawisches Volk mit eigener Sprache (Sorbisch) und eigener Kultur. Im Laufe der Zeit christianisiert sindsie heute meist katholisch.
Sie wurden immer wieder verfolgt bzw. zur Assimilation gezwungen, bis sie 1968 von BRD und DDR anerkannt wurden. Seither sind Straßen- und Ortsnamen oder im Rahmen der öffentlichen Verwaltung beide Sprachen zu lesen. Die Flagge der Sorben ist blau, rot und weiß (vgl. Maibäume) und Kultur und Sprache werden inzwischen auch im Bildungsbereich gefördert.

Ich hatte heute große Schmerzen, und weitere Druckstellen kamen über die 20 km dazu. Einige Stellen sind leider nicht so gut zu erreichen, da sie tiefer liegend sind, so dass auftreten wirklich schmerzhaft ist. Für mich persönlich war es heute sehr anstrengend und ich musste zwischendurch wirklich kämpfen. Wir machten immer wieder Pausen, was natürlich für den Moment sehr angenehm ist, aber gerade das losgehen ist wirklich die Hölle. Auch Elke hatte ihre Herausforderungen. Es war gut, dass es heute nur 20 km gewesen sind, auch wenn das aktuell für mich wirklich viel klingt. Wir stellten fest, dass Kamenz eine Stadt ist und es doch ein großer Unterschied ist, wo wir so die letzten beiden Tage waren. Die Luft riecht anders, es sind viel mehr Menschen und man hat gleich viele verschiedene Reize. Heute findet in Kamenz ein Duathlon statt, so dass Rennradfahrer an uns vorbei rasten. Als wir angekommen sind, haben sowohl Elke als auch ich geduscht und uns noch zu einem letzten Kaffee getroffen. Den haben wir hier im Schnelldurchgang genossen und Elke hat sich dann auf den Weg Richtung Zug gemacht, um heute Nacht in Heidelberg anzukommen. Liebe Elke, ich danke dir von Herzen, dass du drei Tage mit mir gewandert bist und sehr viel gelacht, tolle Gespräche geführt und auch gelitten hast. Ich hoffe, dass sich deine Blasen schnell erledigen und dass das auftreten wieder Spaß macht. Heute Abend kommt Jürgen dann zu mir. Jetzt erst einmal genieße ich es, dass ich auf dem Bett liegen kann und die Füße entlasten. Ich wünsche euch allen einen fantastischen Sonntag und nicht so schmerzende Füße.

Eure Anni