Tag 6 wo ein Ende ist, kann auch ein Anfang sein 

Ihr lieben Menschen,

Auch diese Nacht verlief wieder ziemlich anstrengend und ich hatte Fieber. Auch wenn ich das Gefühl hatte, es wird ein bisschen besser, wachte ich immer wieder wegen meinen Schmerzenden Füßen auf. Am Morgen versorgte ich meine Verletzungen und wir gingen langsam, sehr langsam gegen 8:00 Uhr bei unserer Unterkunft los. Das Wetter spiegelte meine persönliche Verfassung wieder: Regen, starker Wind und teilweise Sonne. Meine Begleitung Stephi ist ein purer Sonnenschein und wir hatten immer wieder sehr gute Gespräche. Leider wurde ich immer wieder von meinen Schmerzen abgelenkt und ich spürte, dass eine neue Stufe erreicht war. Mein Kreislauf war nicht mehr so ganz damit einverstanden und ein bisschen Übelkeit und Schwindel machten sich immer wieder breit. Wir pausierten das ein oder andere Mal, aber so richtig besser wurde es nicht. Wir versucht, versuchten Strecken zu wählen, wo ich möglichst gerade laufen konnte. Es ist aber nun mal so, wenn man durch Orte durchläuft, dass es eben auch mal hoch und runtergeht. Dann kam auch noch eine Baustelle dazu, die eben nicht in den Navigations Apps zu finden war, so dass wir einen Umweg laufen mussten. Der Umweg war eigentlich wirklich richtig schön, ein Weg quer durch, der auch landschaftlich sehr ansprechend war. Jedoch muss ich sagen, dass die Vorstellung noch weitere 25 km oder sogar mehr laufen zu müssen, mich emotional so fertig gemacht hat, dass ich entschieden habe, dass es nur bis Riesa geht. Wir änderten also unsere Route leicht ab und wanderten nach Riesa. Dort kamen wir nach insgesamt 13,2 km am Bahnhof an, wo wir uns erst einmal einen Kaffee organisierten und auch eine Kleinigkeit zu essen. Meine Schmerzen waren sehr heftig, so dass ich ein bisschen Schmerzmittel zu mir nahm. Ich versuchte einen klaren Kopf zu bekommen. Die Tour abbrechen wollte ich definitiv nicht. Ich möchte gerne bis in den Westen kommen und den Zug nehmen oder irgendeine Etappe überspringen, kommt für mich ebenfalls nicht infrage. Also überlegten wir und ich kam auf die Idee, dass wir uns ein Fahrrad leihen könnten. Gesagt, getan. Wir schauten nach verschiedenen Möglichkeiten und fanden in Leipzig einen Fahrradverleih, bei dem wir nun ein Tandem mieten möchten und dort morgen Vormittag hinfahren werden. Wir haben uns in Riesa eine Unterkunft organisiert und die ursprüngliche Unterkunft storniert. Die Pension, wo wir übernachtet hätten, war super nett und hat es sogar kostenlos für uns gemacht. Nun liege ich seit nachmittags auf dem Bett und versuche meine Füße zu entlasten. Natürlich ist es für mich keine leichte Situation, aber ich finde, dass mit dem Tandem fahren auch sehr viel Spaß machen kann und man ja trotzdem durch eigene Kraft vorankommt. An dieser Stelle vielen lieben Dank für den Support vor Ort und natürlich auch aus der Ferne. Es ist nie einfach Pläne zu ändern, aber es ist schön, wenn man Unterstützung hat. Nun wollen wir gleich noch etwas essen und werden den Abend hier in der Unterkunft verbringen. Viele Grüße an euch alle

Eure Anni